Sonntag, 22. November 2015
10 - Auf Wolke minus sieben
Seit knapp zwei Wochen bin ich endlich mit meiner mehr oder weniger schon längeren Bekanntschaft endlich zusammen. Wir haben quasi festgestellt, dass unsere Sympathie füreinander bisher nur durch die räumliche Trennung gehemmt wurde und nun, da wir uns regelmäßig sehen konnten und können, ist diese Sympathie rasch angewachsen. In den ersten Tagen fühlte ich mich geradezu berauscht von meinen Gefühlen, die Einen nicht still sitzen lässt, die Farben der Jahreszeit kräftiger und leuchtender erscheinen lässt und das Leben insgesamt ein wenig aufregender macht. Und doch bekam meine noch sehr frische Beziehung jetzt schon einen Dämpfer, der mich eher auf Wolke minus sieben katapultiert, als in die obereren Regionen.
Mein Liebster weiß von dem Umstand meiner Jungfräulichkeit. Er ist ein paar Jahre älter als ich und hat auf diesem Gebiet natürlich Erfahrung, dass es mir wichtig war, dass er weiß, wie es damit bei mir steht. Sein Verständnis ist mir sicher und bisher fühle ich mich von seiner Seite in keinster Weise unter Druck gesetzt. Den Druck üben eher meine Freundinnen aus.
"Männer brauchen Sex." - sagen sie und auch wenn das meine Worte sind, dann ist ihre Aussage im Sinne so: "Tue es jetzt endlich, verdammt noch einmal!!!".
Doch selbst wenn ich keine Jungfrau wäre, würde ich nichts überstürzen wollen, was mich zu der Frage führt, wie lange das moderne Durchschnittspaar mit dem ersten Sex wartet? Gibt es da eine Deadline, bis wann man es miteinander gemacht haben sollte und wie entscheidet man, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist?
"Stell dir mal vor, du wartest bis zu eurer Hochzeitsnacht mit dem Sex und dann stellt ihr fest, dass die Chemie zwischen euch gar nicht stimmt, was machst du dann?", erklärt mir eine Freundin und spätestens jetzt bin ich total verwirrt. Bedeutet das also, wenn ich mit meinem Freund schlafe und es macht ihm keinen Spaß, dann verlässt er mich wieder? Na wenn das mal keinen Druck ausübt.. Ist Liebe dann nichts weiter als ein körperliches Zusammengehörigkeitsgefühl? Ist mein Seelenverwandter im Grunde nur ein guter Sexpartner? Und was machen die Paare, die tatsächlich bis zur Hochzeitsnacht warten? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die sich deswegen wieder scheiden lassen.
Nehmen wir mal an, ich schlafe jetzt mit meinem Freund, woher weiß ich, dass es gut für ihn war und was kann man es tun, wenn es eben nicht gut war?
Ich habe es also geschafft, mich gleich zu Anfang meiner neuen Beziehung wieder total fertig zu machen, dass in mir der Wunsch aufkeimt, es eigentlich nur hinter mir haben zu wollen. Doch so möchte ich nicht an mein erstes Mal herangehen. Ich will keinen großen Auftritt mit festgelegtem Datum, Kerzen und Tamtam, aber es soll auch keine auferlegte Bürde darstellen, die es gilt, loszuwerden.
Ich weigere mich zu glauben, dass man eine gute Beziehung nur über guten Sex definiert. Trotzdem schwirrt mir nun stets im Hinterkopf umher, dass es essentiell wichtig sein könnte.

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Samstag, 7. November 2015
9 - Warum sind Frauen im Rudel so anstrengend?
Heute bin ich so unendlich müde. So müde war ich schon lange nicht mehr. Das ist das erste Wochenende nach drei Wochen, dass ich mal wieder frei habe. Im Moment schufte ich wie eine Wilde für die Uni und schiebe gleichzeitig unendliche Schichten im Krankenhaus. Es kommt mir vor, als stünde ich permanent unter Strom und heute morgen hat mir mein Körper mal gehörig gesagt, was er davon hält. Eigentlich bin ich echt fit, aber heute fühle ich mich nur schwach und kaputt, dass selbst einkaufen gehen eine echte Herausforderung geworden ist.
Und dann ist da noch der Zickenkrieg im Hörsaal, der mich beschäftigt. Ich studiere nämlich in einem Studiengang, der hauptsächlich von Frauen gewählt wird, weshalb auch in meinem Jahrgang fast ausschließlich Mädels sitzen. Das ist im Moment echt anstrengend. Ich weiß nicht, was es ist, dass die Emotionen derzeit überkochen lässt. Wir stehen alle unter einem ganz schönen Druck, aber das rechtfertigt eigentlich nicht, dass wir uns gerade wegen jeder Kleinigkeit an die Gurgel wollen. Und diese Lästerei!! Überall wird getuschelt und getratscht. Was ist denn nur los mit uns? Warum müssen Weiber im Rudel nur so furchtbar anstrengend sein und warum sind das Jungs nicht?
Gut, Kerle können Einem in der Gruppe auch mächtig auf die Nerven gehen, vor Allem wenn sie unreif sind. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mit einer Horde Typen momentan besser zurecht kommen würde, als mit den Mädels aus meinem Hörsaal. Da geht es wirklich um banale Sachen und es wird sich gegenseitig aufgeputscht, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis irgendwer mal gehörig die Nerven verliert.
Eigentlich dachte ich, dass diese Zeit vorbei wäre. Ich dachte, dass dieses Verhalten in die siebte Klasse einer Schule gehört und sich das mit dem Erwachsen werden legt. Da habe ich mich wohl getäuscht und die zwei mehr oder weniger einsamen Kerle in meinem Hörsaal, die müssen sich doch jeden Tag aufs Neue an den Kopf fassen, bei dem Theater, dass sie umgibt?!
Da stellt sich mir die Frage auf, wie gut können sich Männer und Frauen in das jeweilig andere Geschlecht hineinversetzen? Ab welchem Punkt ist die Biochemie des weiblichen Gehirns für den männlichen Part nicht mehr nachvollziehbar und was geht in einem Mann vor, wenn er derart theatralische Blödsinnigkeit beobachten muss? Wenn eine einzelne Frau für den Mann Rätsel aufwirft, wie geht er dann mit einer ganzen Gruppe wild gewordener Mädels um?
An die Männerwelt da draußen, es tut mir außerordentlich leid, was ihr alles so mit uns mitmachen müsst. Ich kann es im Moment echt gut verstehen, dass ihr uns Frauen nicht versteht, denn ich verstehe uns zur Zeit auch nicht so recht.

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Dienstag, 27. Oktober 2015
8 - Das Jahrzehnt, das fehlt
Existenzängste... wenn ich in nach 70 oder 80 gelebten Jahren aus dem Dasein scheide, wer wird dann bei meiner Beerdigung an meinem Grab stehen? Werde ich Kinder haben, die um mich trauern, Freunde, mit denen ich mein Leben verbracht habe?
Es mag makaber sein, bereits jetzt darüber nachzudenken, was in mehreren Jahrzehnten einmal sein wird. Aber in letzter Zeit dreht sich irgendwie alles in den Leben meiner Freunde um die Frage, wann es der richtige Zeitpunkt ist, eine Familie zu gründen und plötzlich bekomme ich Panik.
Ich will auch einmal eine Familie gründen, aber wie ich es auch drehe und wende, es passt einfach nicht in meinen Plan aus Studium und Karriere. Auf einmal höre ich die Uhr ticken und es ist, als würde mir ein Jahrzehnt fehlen, in dem ich das noch unterbringen könnte. Ich bin jetzt 23. Meinen Master habe ich, wenn alles gut läuft, mit 30 und eigentlich will ich noch den Doktor machen, dann bin ich Mitte dreißig und dann wird es auch schon ganz schön knapp.
"Kind, wann willst du denn einmal leben?" - höre ich meine Mutter sagen, die gerne Oma werden möchte. Aber meine Pläne von einer wissenschaftlichen Karriere gehen vor, gingen sie schon immer...
Na gut, dann eben keine Kinder... sterbe ich dann alleine? Ist es egoistisch, als erstes daran zu denken, wer an meinem Grab stehen wird, wenn ich keine Kinder bekomme?
Und mal von meinen absurden Existenzängsten des Alleine Seins abgesehen, möchte ich eigentlich schon Kinder haben, mit dem richtigen Mann an meiner Seite. Eine kleine Familie sollte doch ein Stück inneren Frieden in meine Welt bringen.
"Wenn ich jetzt schwanger werden würde, dann bräche eine Welt für mich zusammen." - sagt eine Freundin zu mir, als wir uns über das Thema "Kinder und wann ist der richtige Zeitpunkt" unterhalten. Sie ist genauso alt wie ich und hat im Gegensatz zu mir einen Freund, mit dem die Familiengründung ein durchaus realistisches Szenario darstellt.
"Jetzt ist echt ein schlechter Zeitpunkt, aber nach dem Bachelor studiere ich nur noch Teilzeit, dann ist ein Kind zu bekommen zu schaffen." - so der Plan meiner Freundin.
Ich aber bin gedanklich bei der Frage hängen geblieben, ob man sich letzten Endes für eines entscheiden muss: Karriere oder Kind? Eines leidet schlussendlich immer unter der Entscheidung und wie machen das Andere, diese Entscheidung zu fällen?
Mein zwei Jahre jüngerer Bruder musste diese Entscheidung nicht treffen. Er musste nichts planen und nichts abwägen. Er hat nach der Schule einen ganz anderen Weg eingeschlagen und ist jetzt mit sein 5-Jahre älteren Freundin und deren beiden Kinder zusammengezogen. Die Kinder sollen ihn Papa nennen und seit neusten führt er sich wie ein Familienvater auf.
Ob mein Bruder auch diese Existenzängste hatte und daher besser schnell eine Familie gründete (oder sich Einer annahm)?
Studium hin oder her, für ein Kind fühle ich mich noch nicht bereit und mit 23 Jahren hat das ja auch noch ein bisschen Zeit. Aber ab wann beginnt mir die Zeit davonzulaufen?

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